Spur N Diorama

Diorama in Spur N – Workshop

Unsere kleine Machbarkeitsstudie in 1:160. Was tun, wenn man kaum etwas kaufen kann? Welche Möglichkeiten bleiben, haben wir in diesem Diorama getestet!

Ein Diorama als Machbarkeitsstudie

Das aus dem Griechischen stammende Wort „Diorama“, welches im klassischen Sinne auch mit „Schaukasten“ übersetzt werden kann wird im Modellbahnbau häufig für kleine Teilausschnitte aus einer Landschaft genutzt. Für uns bildete es in erster Linie eine Art Machbarkeitsstudie in 1:160.

Ausgehend von der Theorie, es würde im Jahr 2000 in Spurgröße N kaum industriell hergestelltes Modellbahnzubehör existieren – welches unseren Anspüchen genügt – wollten wir prüfen ob wir selbst mit simplem Bastelmaterial, erhältlichem H0-Zubehör und etwas Improvisation eine anschauliche Modellwelt in 1:160 erstellen können. Bevor wir an den Bau einer größeren Modellbahnanlage gingen, gestalteten wir dieses, von uns als „Testdiorama“ bezeichnete Stückchen Modelllandschaft in Spur N.

Diorama 90x34x20cm Spur N
Diorama 90x34x20cm Spur N

Auf einer Größe von 90x34x20cm entstand ein schlichter Kasten mit einer Spanplatte als Boden und Seitenwänden aus Sperrholz. Die geschlossene Kiste erfüllte den ersten Testzweck. Auch beim Unterbau sollten von uns bisher unerprobte Methoden zum Einsatz kommen. So wurde nach dem Trassenbau die „Kiste“ mit einer recht trockenen Mischung aus Verpackungsflocken (Schaumstoff und/oder Styropor) und dünn angerührtem Weißleim gefüllt. Diese grobe Masse diente zur Formgebung der Landschaft und wurde später mit Gips verspachtelt.

Fast alles daran ist selbst gebaut

Das Gleis ist eines der wenigen zugekauften Produkte auf diesem Diorama. Es handelt sich um ein MiniTrix-FlexGleis, welches von uns farblich behandelt wurde. Die Schienenprofile wurden von uns seitlich mit einem Pinsel und Emailfarbe rostbraun gestrichen, die Schwellen senkrecht von oben, braun, grau. Auf der Trasse des Dioramas ist eine 2mm dicke Korkschicht verlegt, das Gleis wurde darauf verschraubt.

Der Schotter ist eine Eigenkreation aus Quarzsand vom Baustoffhändler, der in einem Glas mit Ruß aus einem alten Ölofen eingefärbt wurde. Er wurde trocken aufgetragen, und nass in nass mit einer Weißleimmischung verklebt. Mit dem Pinsel wurde nachträglich entlang der Profile noch rostrotes Farbpuder aufgetragen.

Durchlass für den Bach auf unserem Diorama
Durchlass für den Bach auf unserem Diorama

Ein massiver gemauerter Wall, der auch als Stützwand fungiert, führt die Modellbahntrasse über ein Tal in unserem Diorama. Für einen kleinen Bach wurde ein brückenbogenähnlicher Durchlass geschaffen. Um auf Fertigware zu verzichten haben wir keine Mauerplatten verwendet sondern den Wall klassisch auf Fliegengitter gegipst und die Steinstruktur eingeritzt. Die beiden „Beton“-Seitenwände unseres Durchlasses bestehen aus verspachteletem Sperrholz. Für die Abdeckplatten haben wir einen Musterstreifen gebaut und davon eine Silikonform erstellt. Dieser wurde dann aus „Elastik Moltofill“ abgeformt. Diese fertige Spachtelmasse aus der Tube bleibt lange Zeit flexibel und besitzt eine ähnliche Oberfläche wie Gips. Sie kann daher wunderbar für flexible Formelemente verwendet, mit einem Messer geschnitten und zusammen mit Gipsbereichen verarbeitet werden.  Die Masse ist sehr dickflüssig und daher leider nicht für filigrane Bauteile geeignet.

Der Bach durch unser Diorama wurde im wesentlichen mit Gießharz erstellt. Das 2K-System ist im gesamten Modellbau weit verbreitet und leicht erhältlich. Der Untergrund wurde vertieft als Bachbett gebaut und mit kleinen Steinchen beklebt. Diese wurde nicht etwa gekauft, sondern aus handelsüblichem Bausand ausgesiebt.  Die Uferböschung wurde mit Gras und Büschen bepflanzt. Diese stammen aus dem Fachhandel von Heki und sind pauschal für alle Spurweiten verwendbar. Die Grasmatten eignen sich nicht nur für H0 sondern auch hervorragend für höheres Gras in Spur N. Die Büsche sind aus Belaubungsvlies hergestellt oder es wurde sogenanntes „Seemoos“ als Zweige verwendet, braun lackiert und beflockt. Das Erdreich als Untergrund haben wir wörtlich genommen. Der braune Untergrund, der unser gesamtes Diorama überzieht ist echte Erde, vor unserer Haustür ausgegraben, mehrere Wochen getrocknet und gesiebt. Zuerst waren wir skeptisch ob sowas funktioniert, aber ist es seit 15 Jahren unproblematisch – Langzeittest bestanden!

Bach- und Ufer auf unserem Diorama
Bach- und Ufer auf unserem Dioramate

Auf einer Seite unseres Dioramas endet die Trasse in einem Tunnel. Auch dieses Tunnelportal und die Stützwände sind weitgehende Eigenbauten. In diesem Fall handelt es sich allerdings um fertige Mauerplatten, die uns als Vorlage dienten. Aus einer Schaumstoff-Mauerplatte wurde die Tunnelöffnung herausgeschnitten und mit einzelnen aufgeklebten Holzplättchen der Mauerbogen der Tunnelröhre dargestellt. Auf die Innenseite der Öffnung wurde eine flache Mauerplatte geklebt. Dieses Teil bildete für uns das Positiv für eine Silikonform. Dabei wendeten wir damals primitivste Techniken an. Wir verwendeten einfaches Fugensilikon aus dem Baumarkt. Es lässt sich bei weitem nicht so gut verarbeiten wie ein extra für den Formenbau angebotenes Silikon aber es ist möglich es mit einer Silikonspritze zu verteilen. Hierfür sollte man mitten auf dem Objekt anfangen und das Silikon von dort aus zum Rand ausbreiten. Keinesfalls an einer 2. Stelle anfangen, da das zähe Material nicht ohne Lufteinschluss zusammenfließen wird. Das gleiche Prinzip kam für die Seitenwände der Tunnelröhre zum Einsatz. Auch diese bestehen aus 2x dem gleichen Gipsteil mit eigens gebauter Silikonform. Die Wände sind auf der Oberseite nur mit einem gebogenen Stück Karton abgedeckt. Auch bei den Stützwänden wieder das gleiche Prinzip. Um sparsam zu wirtschaften wurden erst die Seitenwände abgeformt und danach aus dem gleichen Rohling das Tunnelportal wie beschrieben hergestellt. Abgedeckt werden Tunnelportal und Stützwände von den bereits weiter oben beschriebenen Abdeckplatten.

Für die kleine Felswand wurde ebenfalls eine Silikonform hergestellt. Da ich kein guter Bildhauer bin und mich im Gegensatz zu manchen anderen Modellbahner nicht besonders auf die natürliche Nachbildung von Gestein verstehe haben wir etwas anderes versucht. Ich habe bereits einmal gesehen, wie Modellbahner echte Steine als Fels in ihre Modellbahn gegipst haben. Also habe ich mir ein paar schöne Exemplare im Garten gesucht und von diesen einen Silikonabdruck genommen. Hierbei musste ich feststellen, dass dies nicht ganz unproblematisch verläuft. Das Silikon setzt sich in die feinen Rillen und Poren im Gestein und umschliesst diesen fest. Der Stein lässt sich nur schwer aus der Form lösen ohne diese zu beschädigen. Hier muss mit viel Trennmittel (z.B. Öl) gearbeitet werden.

Im abgebildeten Zustand war unser Diorama uns Beweis genug um mit dem Bau unserer Spur N Anlage zu beginnen. So blieb es bis heute in diesem nicht ganz fertigen Zustand. Hier dient es auch gerne einmal als Fotomotiv. Auch in Zukunft werden hier vielleicht einige Techniken erprobt…

N-Modellbahn.de Testdiorama
N-Modellbahn.de Testdiorama

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