Bahnsteigkanten aus Gips mit eigener Silikonform herstellen

Silikonform Marke Eigenbau – Workshop

Anhand einer Bahnsteigkante zeigen wir euch wie einfach sich eigene Serien-Gipsteile mit einer Silikonform erstellen und aneinanderreihen lassen.

Eigene Silikonform, Aber Lohnt sich der Aufwand?

Immer wenn im Modellbahnbau die Gestaltung eines Bereiches mit Serienteilen ansteht greift man gerne auf Fertigprodukte wie Mauerplatten usw. zurück. Aber warum eigentlich?
Alles selbst zu gestalten ist langwierig und ein Ergebnis mit gleicher Qualität in Handarbeit zu erzielen, sehr schwierig. Hierfür eignen sich Gipsteile, die man in gleichbleibender Qualität mit Hilfe einer Silikonform leicht selbst gießen kann. Diese gibt es inzwischen in vielen Varianten fertig zu kaufen, und bei größerer Produktion sind die Kosten schnell eingespielt und das Ergebnis meiner Meinung nach optisch wesentlich ansprechender als bei Kunstoff- oder Schaumplatten.
Fast genauso gut, aber viel individueller klappt es mit einer selbst konstruierten Silikonform.

Material
Silikonkautschuk mit Vernetzer
Silikonkautschuk mit Vernetzer

Die Grundlage dafür stellt Silikonkautschuk für den Formenbau. Für den Hausgebrauch empfehle ich das 2-Komponentensystem, welches aus dem Silikonkautschuk und einem Vernetzer besteht. Als Alternative gibt es eine Variante die vulkanisiert werden muss, also im Ofen erhitzt damit sie abbindet.

Das 2K-Material kommt in flüssiger Form, meistens in der Dose oder einer Flasche zusammen mit dem Vernetzer, von dem als Zusatz nur sehr wenig benötigt wird. Einst nur schwer in Fachgeschäften zu bekommen, hat man es inzwischen im Online-Versandhandel sehr einfach. 500g kosten etwa 15,- bis 20,- EUR und reichen für etwa 10 kleine Formen – wie in diesem Beispiel – und durchaus auch für 2-3 größere.

Rohling

Nun, da es sich bei der späteren Silikonform bereits um eine Negativform handelt, in welcher der Gipsabdruck als Positiv erstellt werden soll, so muss auch die Vorlage wieder ein Positiv sein. Das bedeutet, man bastelt sich nun ein Stück, das man später identisch in Gips vervielfältigt haben möchte.
In unserm Beispiel hier ist es eine Bahnsteigkante. Diese soll realtiv klein bleiben um später auch an Rundungen des Bahnsteiges angesetzt werden zu können. Im Oberen Bereich stelle ich die Kante selbst mit Hilfe einer fertigen H0-Bordsteinkante her. Dabei bediene ich mich einfach an meinem „Restefundus“ and Modellbahnteilen. Die Kosten können hier also sehr niedrig gehalten werden. Darunter möchte ich eine Aufmauerung darstellen, da ich eine Bahnsteigkante abbilden will, die nicht wie meist üblich aus Betonfertigteilen besteht. Auch hier kommt ein Reststücke einer geklinkerten Mauerplatte in Spur N zum Einsatz, schließlich sollen die Proportionen maßstäblich passen. Das zu gießende Teil sollte min. 4-5mm dick sein, sonst wird es als Gipsteil, zu zerbrechlich. Dafür dopple ich das Material auf der Rückseite einfach mit Pappkarton auf die gewünschte Dicke auf. Da die Teile möglichst nahtlos aneinander gereiht werden sollen, möchte ich vertikal durchlaufende Stoßfugen vermeiden. Dazu feile ich jeden 2. Stein an der Stirnseite der Mauer aus, so dass diese später ineinander gesteckt werden können. Die beiden Seiten müssen jeweils so gefeilt werden, dass sie das genaue Gegenstück zur anderen bilden. Dieses Verfahren empfiehlt sich bei allen Arten von Mauerplatten!

Rohling (Bahnsteigkante Spur N) für eine Silikonform
Rohling (Bahnsteigkante Spur N) für eine Silikonform
Abformen

Bei der Schalung für den Silikonabdruck kann man durchaus improvisieren. In diesem Beispiel dienen L-förmige Kunststoffleisten als Rahmen. Zum Abformen wird der Rohling auf eine glatte Oberfläche geklebt (doppelseitiges Klebeband genügt) und der Rahmen um das Objekt herum gebaut, so dass kein Silikon auslaufen kann.
Das Silikon wird nach Packungsanleitung zusammengerührt. Dies sollte unbedingt exakt und zügig geschehen. Die Masse muss meist abgewogen werden um die Menge des Vernetzers berechnen zu können. Ist dieser zugesetzt und untergerührt verbleiben meist nur wenige Minuten um den Guss abzuschließen.
Die Masse wird hierfür zuerst mit einem Pinsel auf den Rohling gestrichen. Somit wird sichergestellt, dass jede Kontur genau abgeformt wir. Dabei bedonders die feinen Rillen und Kanten, sowie schwer zugängliche Ecken bedenken. Danach wird der Rest ausgegossen. Die noch flüssige Silikonform sollte man nun ein paar mal vorsichtig auf den Boden klopfen oder aus 1-2cm Höhe fallen lassen, damit evtl. Luftblasen aufsteigen und entweichen. Nach der Transformation vom flüssigen in den Gummiartigen Zustand (etwa 12-24h) kann die Form benutzt werden.

Abguss

Zum Gießen eignen sich am besten Spezialgipse und andere Massen für Gussformen. Normaler Modellgips ist nicht unbedingt zum Gießen geeignet auch wenn dies als Verwendungsmöglichkeit auf der Packung u.a. mit aufgeführt wird. Er ist zu weich, zu porös und nicht genügend fließfähig. Resingips mit Kunstharzbestandteilen, Porzellan-Gips (porcelain gips) oder andere Keramik-Gipse eignen sich wesentlich besser. Die Pulver sind feinkörniger, die Masse dabei sehr dünnflüssig und er erreicht eine sehr hohe Endfestigkeit. Die feinen Strukturen werden so genauer abgeformt und bleiben besser erhalten, was der späteren Behandlung zu Gute kommt.

Form aus Silikonkautschuk und Formteil aus Keramik-Gips
Form aus Silikonkautschuk und Formteil aus KeramikGips in Spur N

Für die längere Haltbarkeit der Form empfehle ich ein Trennmittel auf die Form aufzubringen, jedesmal bevor ein Teil gegossen wird. Ich persönlich nehme dafür einfach ein Nähmaschinenöl. Auch Waffenöl oder Silikonöl würden sich eignen. ES gibt auch spezielle Trennmittel und Wachse für diesen Fall zu kaufen, aber das erscheint mir überflüssig. Mit einem Pinsel verteile ich eine hauchdünne schicht davon in der Form.
Den Gips rührt man nach Packungsanleitung an und lässt diesen ggf. kurz quellen. Danach wird er in die Form gegossen. Auch hier versuche ich den Gips mit einem Pinsel in den feinen Riefen und Ecken zu verteilen, da sich hier besonders leicht Lufteinschlüsse bilden. Danach klopfe ich wieder etwas gegen die Form oder lasse diese aus 1-2cm Höhe mehrmals fallen um Luftblasen entweichen zu lassen. Nach dem Aushärten kann die Silikonform vorsichtig auseinander gedrückt und das Formteil entnommen werden.

Zusammenbau

Je nachdem wie genau man bei der Form gearbeitet hat müssen ggf. Kleinigkeiten nachgearbeitet werden. In diesem Beispiel ist die Verzahnung des Mauerwerks sehr eng geraten, so dass einmal kurz nachgefeilt werden muss um genügend Spiel für das nächste Element zu bekommen. Sind die Teile aneinandergereiht, so erkennt man die Fugen noch recht deutlich. Diese sind jedoch so dünn, dass nach der Farbbehandlung ein durchgängig erscheinendes Mauerwerk als Resultat bleibt. Behandelt wurde hier mit Dispersionsfarbe und Farbpuder.

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